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Rotes Trikot fuer den Weltcup in Ofterschwang
Die kleine, nur knapp 2000 Einwohner zählende Gemeinde Ofterschwang ist am vergangenen Wochenende ganz groß rausgekommen. Die Sportwelt blickte ins Oberallgäu und bekam Bilder zu sehen, die einfach nur faszinierten. Bilderbuch-Wetter mit blauem Himmel und verschneiter Allgäuer Berglandschaft, erstklassige Alpinrennen und ein hochmotiviertes Organisationsteam, das der internationalen Skiwelt nach dreijähriger Weltcup-Pause bewiesen hat, dass es wieder im Konzert der Großen mitspielen will und mitspielen kann.
Das Lob des Internationalen Skiverbandes, der internationalen Presse und allen voran der Athletinnen ließ den Präsidenten des Organisationskomittees, den Hotelier Michael Fäßler, am Sonntag nach der Veranstaltung von einem „absolutem Traum-Wochenende sprechen“. FIS-Renndirektor Atle Skaardal aus Norwegen gab den Allgäuern die Note eins, und der fast alle Weltcups begleitende Moderator des Österreichischen Fernsehens verlieh dem Ofterschwanger Pistenteam sogar den Oscar. „Selbst wenn wir ein Haar in der Suppe finden wollten“, so Fäßler, „wir finden diesmal keines. Alles hat perfekt gepasst“.
Besonders gefreut hat sich der Veranstalter über den deutschen Doppelsieg im Riesenslalom von Viktoria Rebensburg. Das habe, neben dem traumhaften Wetter, auch dafür gesorgt, dass die Zuschauerzahlen einen neuen Rekord erreichten. 19 000 Besucher kamen an drei Tagen ins Skistadion am Ofterschwanger Horn – so viel wie nie zuvor in der dreizehnjährigen Weltcup-Geschichte des Ortes. Und auch zu den zwei stimmungsvollen abendlichen Siegerehrungen in Sonthofen strömten Urlauber wie Einheimische: 5000 Menschen ließen auf dem Rathausplatz die weltbesten Athleten hochleben und drückten ihnen bei den Startnummern-Auslosungen die Daumen.
Eine der Sportlerinnen, Marlies Schild, sprach den Organisatoren das wohl größte Kompliment aus. „Was ihr bei diesen Temperaturen geleistet habt, ist einmalig“, sagte die 30-jährige Salzburgerin, die sich als Drittplatzierte in Ofterschwang die kleine Kristallkugel sicherte und das Rote Führungs-Trikot symbolisch an die Ofterschwanger übergab. OK-Präsident Michael Fäßler leitete Trikot und Lob an seinen Generalsekretär Stefan Huber weiter, der mit der Skisport- und Veranstaltungs-GmbH in Oberstdorf im vergangenen Winter gleich fünf Weltcup-Events in fünf verschiedenen Disziplinen (Skispringen, Langlauf, Nordische Kombination, Skifliegen und Ski alpin) abwickelte. „Das gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal“, stellte Fäßler fest. Das mit Abstand größte Lob aber zollte Fäßler den über 400 freiwilligen Helfern. Die Pistenpfleger, die fast eine Woche lang mit großer Kompetenz Tag und Nacht gegen die frühlingshaften Temperaturen ankämpften und den Athletinnen dennoch beste Bedingungen boten, erhielten für ihren unermüdlichen Einsatz beim Abschlussfest in Ofterschwang minutenlang standing ovations. Schon jetzt, betonte Michael Fäßler, freue man sich auf den Alpin-Weltcup 2013, der erneut am ersten März-Wochenende stattfinden soll. Foto: Ralf Lienert
Faustdicke Ueberraschung am Ofterschwanger Horn
Mit einer faustdicken Überraschung endete der Weltcup-Slalom in Ofterschwang: Vor 7.500 Zuschauern machten zwei Außenseiterinnen den Sieg untereinander aus. Bei strahlendem Sonnenschein brachte die Kanadierin Erin Mielzynski als Fünfte des ersten Durchgangs einen tadellosen zweiten Lauf ins Ziel und gewann das Rennen in 1:53,59 Minuten. Es war die erste Top Ten-Platzierung der 21-Jährigen im Weltcup. Auch Resi Stiegler feierte als Zweitplatzierte eine Premiere: Die US-Amerikanerin lag nach dem ersten Durchgang noch auf dem neunten Platz, mit 1:53,64 Minuten und nur 0,05 Sekunden Rückstand auf die Siegerin gelang ihr in Ofterschwang der erste Weltcup-Podestplatz der Karriere. Auf dem dritten Rang landete Marlies Schild. Die Führende des Slalom-Weltcups aus Österreich fuhr von Platz sieben noch aufs Treppchen – in 1:53,66 Minuten mit lediglich 0,07 Sekunden Rückstand. Damit sicherte sich die 30-Jährige auch die „Kleine Kristallkugel“ im Slalom. Ihr ärgste Konkurrentin in dieser Wertung, Tina Maze aus Slowenien, lag nach dem ersten Lauf noch in Führung, schied im zweiten Durchgang aber aus. Die deutschen Läuferinnen gingen ebenfalls leer aus. Lena Dürr (Germering), nach dem ersten Durchgang noch auf Platz zwei, wurde am Ende mit 0,25 Sekunden Rückstand Sechste (1:53,84 Minuten). Maria Höfl-Riesch landete mit 1:54,07 Minuten und 0,48 Sekunden Rückstand auf Platz neun, Christina Geiger aus Oberstdorf liegt in der Endwertung mit 1:54,71 Minuten auf dem 16. Rang. Mit Fanny Chmelar (1:55,23 Minuten) auf Platz 23 und Monica Hübner (1:56,39 Minuten) auf Platz 25 sind zwei weitere DSV-Starterinnen unter den besten 30 platziert.
Stimmen der Siegerinnen zum Slalom
Erin Mielzynski (Kanada, Siegerin): „Dieser Tag ist so unglaublich für mich. Ich wollte einfach nur zwei Läufe nach unten bringen. Ich kann noch gar nicht fassen, was hier passiert ist und hoffe, dass ich das heute Abend so langsam realisieren kann. Meine beste Platzierung im Slalom war bisher der 13. Platz in Courchevel. Zu Beginn meiner Karriere im alpinen Skisport hat mir das Selbstvertrauen gefehlt. In den letzten Jahren habe ich aber hart gearbeitet. Heute Abend werden wir im kanadischen Team sicherlich noch viel Spaß haben. Zumal ich nach dem Rennen über Funk erfahren habe, dass mein Sieg der erste kanadische Slalom-Erfolg seit 1971 war. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl.“
Resi Stiegler (USA, 2. Platz): „Nur von einer Kanadierin geschlagen zu werden, ist nicht schlimm. So ein großer Erfolg ist die sicherste Art, Spaß zu haben. Es war für mich das erste Mal seit meiner schlimmen Verletzung im Jahr 2007, dass ich einen zweiten Durchgang bis ins Ziel gebracht habe. Das ist umso überraschender, weil ich eigentlich einfach nur langsam zurückkommen und wieder Sicherheit auf dem Ski bekommen wollte.“
Marlies Schild (Österreich, 3. Platz): „Ich bin sehr zufrieden mit meinem dritten Platz. Dritter war ich diesen Winter nämlich noch nie. Außerdem habe ich wieder viele Punkte gesammelt. Es ist super, dass ich den Slalom-Weltcup und damit die kleine Kristallkugel schon vorzeitig gewonnen habe. Das war diese Saison mein großes Ziel. Trotzdem ist noch genügend Motivation für den Rest der Saison vorhanden. Vielleicht klappt es ja wirklich noch, dass ich den Rekord von Vreni Schneider mit ihren 34 Slalom-Siegen im Weltcup erreiche.“
Pressestimmen Bilanz Slalom
Christina Geiger (Deutschland): „Ich hatte im zweiten Lauf zwar ein besseres Gefühl, aber von der Zeit her war es dann doch nicht besser. Ich hab irgendwie die Spur nicht getroffen, und dann bist du ganz einfach langsam.“
Niki Hosp (Österreich): „ Der zweite Durchgang ist mir jetzt gut gelungen. Im Slalom bin ich derzeit besser als im Riesentorlauf. Das tut schon weh, denn ich bin Weltmeisterin und habe auch die Kugel in der Disziplin schon gewonnen und jetzt bin ich so weg. Aber es nutzt ja nichts. Ich muss weiterkämpfen. Ich weiß ja, dass ich es drauf habe.“
Zuschauerstimmen:
Manuel Grostner (Brixen/Südtirol): „ Ich war heuer schon in fast allen Weltcuporten von Sölden über Lake Louise bis nach Alta Badia, aber eine so grandiose Atmosphäre wie hier in Ofterschwang gibt es nur selten. Das ist gewaltig und vergleichbar mit Kitzbühel von der Stimmung und vom sportlichen Interesse her.“
Elke Hilbrand (Fischen). „Die Stimmung war hier bei allen Wettbewerben richtig toll, obwohl ich fast denke, dass die Ganze gestern schon nicht mehr zu toppen war. Und das hat nicht nur am Sieg von Viktoria Rebensburg gelegen, denn schon vor deren zweiten Lauf war die Laune auf der Tribüne auf dem absoluten Höhepunkt.“
Tina Maze auf dem Weg zum dritten Podestplatz
Was für ein Wochenende für Tina Maze: Nach einem zweiten und einem dritten Platz bei den beiden Riesenslalom-Wettbewerben liegt die Slowenin beim Slalom am Ofterschwanger Horn nach dem ersten Lauf in Führung. Für den Kurs benötigte sie 55,87 Sekunden. Hinter ihr liegen zwei Überraschungsfahrerinnen in Lauerstellung: Zweite nach dem ersten Durchgang ist die 20-jährige Lena Dürr (Deutschland). Sie hat mit 56,22 Sekunden 35 Hundertstel Sekunden Rückstand auf die Spitzenreiterin. Auf Platz drei rangiert Mikaela Shiffrin (56,44 Sekunden). Die erst 16 Jahre junge US-Amerikanerin brachte bei strahlendem Sonnenschein einen tollen Lauf nach unten und war nur 0,57 Sekunden langsamer als Maze. Marlies Schild, die den Slalom-Weltcup in dieser Saison bislang dominiert, ist nach dem ersten Lauf Siebte (56,64 Sekunden). Einen Platz vor der Österreicherin liegt Maria Höfl-Riesch, die in 56,56 Sekunden ins Ziel kam. Lokalmatadorin Christina Geiger aus Oberstdorf rangiert mit 57,38 Sekunden auf dem 13. Platz. Die Führende im Gesamtweltcup, Lindsey Vonn (USA), ist im ersten Durchgang ausgeschieden. Weitere deutsche Starterinnen im zweiten Durchgang (13 Uhr) sind: Veronika Staber (24., 58,38 Sekunden), Fanny Chmelar (25., 58,41 Sekunden) und Monica Hübner (29., 58,69 Sekunden). Ausgeschieden sind hingegen Katharina Dürr (33.) und Barbara Wirth (35.).
Stimmen nach dem 1. Durchgang
Maria Höfl-Riesch (Deutschland): „Ja, es war keine schlechte Fahrt, vielleicht ein bisschen wenig Risikobereitschaft im oberen Teil. Da waren die meisten anderen um einiges schneller. Nach den beiden Ausfällen im Riesenslalom ist wohl ein wenig die Angst vor einem erneuten Ausschieden mitgefahren und den Ausfall von Michi (Kirchgasser) habe ich natürlich auch mitgekriegt. Im unteren Teil ist es dann aber glücklicherweise richtig gut gelaufen“.
Lena Dürr (Deutschland): „Die Ausgangsposition für den zweiten Durchgang ist nicht sehr gut. Man sieht, dass da noch welche von hinten rein gefahren sind.. Der Kurs ist zwar nicht schlecht gesteckt, aber die Piste ist nicht mehr wirklich hart. Ich greife jetzt im zweiten noch mal richtig an. Mal sehen, was rauskommt“
Christina Geiger (Deutschland): „ Ja, es war oben ganz okay, aber im unteren Abschnitt bin ich immer ein bisschen hinten gehockt und nicht auf Zug gekommen. Es geht mehr. Vor meinem Heimrennen war ich schon aufgeregt und hab auch schon mal besser geschlafen. Im zweiten Lauf werde ich jetzt Vollgas geben, denn zu verlieren habe ich nichts mehr“.
Kathrin Zettel (Österreich): „Ich tue mich hier echt schwer, das habe ich gestern schon gesagt. Mit meinem Ersten lauf bin ich zwar einigermaßen zufrieden. Aber das, was ich kann, ist das alles nicht“.
Fernsehbilder vom "Oktokopter"
Auf eine neuartige Technik hat das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) bei der Produktion der Fernsehbilder vom alpinen Ski-Weltcup in Ofterschwang zurückgegriffen: den so genannten „Oktokopter“. Erst drei Mal war der kleine Hubschrauber bei Live-Übertragungen im Einsatz: Bei der Mountainbike-Weltmeisterschaft in Frankreich vergangenes Jahr sowie beim Ski-Weltcup in Wengen und Garmisch-Partenkirchen.
Mit acht Rotoren ist das über vier Kilogramm schwere Gerät in der Luft unterwegs, ist daher laut Thomas Rübenich, dem Technischen Leiter des ZDF, besonders flexibel einsetzbar. Auch dank der drahtlosen Übertragungen der bewegten Bilder, die von einer knapp 40.000 Euro teuren Spezialkamera aufgenommen werden.
In Ofterschwang begleitete die Kamera die Läuferinnen bei den Riesenslalom-Rennen im Zielhang. Gesteuert wird der „Oktokopter“ von Dionys Frei via Joystick. Mit den Aufnahmen der vergangenen Tage ist der Schweizer zufrieden. Nur im zweiten Durchgang des Riesenslaloms am Samstag habe es kleine Probleme gegeben: Wegen zunehmender Winböen sei es schwierig geworden, das Fluggerät noch optimal zu steuern. „Das schwierigste ist das richtige Timing“, sagt er. Sprich: Sollte er zu früh oder zu spät dran sein und eine Fahrerin daher nicht mehr aus der richtigen Perspektive verfolgen können, sind die Bilder nicht mehr brauchbar. Frei: „Das macht den Reiz bei einer Live-Übertragung aus. Man bekommt keine zweite Chance, alles muss auf Anhieb sitzen.“
Zum Team der Dedicam GmbH, die vom ZDF für die Aufnahmen beauftragt worden ist, gehören neben Frei auch ein Kamermann, ein Techniker und ein Helfer. Dessen Aufgabe ist gleichzeitig eine der wichtigsten: Das Auswechseln der Batterien. Denn alle zehn Minuten, erklärt Frei, müsse die Batterie des „Oktokopters“ getauscht werden. „Wie beim Reifenwechsel in der Formel 1 so schnell wie möglich“, sagt ZDF-Mann Rübenich.
Tina Geiger Fanclub drueckt die Daumen
„Eine Super-Startnummer hat die Tina heute“, freuen sich Hilde und Rolf Zens, als sie mit dem Christina-Geiger-Fan-Club am Weltcup-Hang anrücken. Bei der Verlosung gestern Abend auf dem Sonthofener Rathausplatz hatte die Oberstdorferin die für sie bestmögliche Nummer gewählt. Mit der „8“ geht sie in den heutigen Slalom, der um 10 Uhr mit dem ersten Durchgang beginnt. Wie Christina heute Nacht vor ihrem Heimrennen geschlafen hat, wissen die Oberstdorfer Freunde noch nicht, denn die drei Weltcup-Tage verbringt sie mit dem Rest der Mannschaft im Hotel Sonnenalp. Für Vater Jürgen jedoch war die Nacht bereits um 3 Uhr zu Ende. „Die Spannung ist dann doch zu groß gewesen“, gibt er zu, vor dem Start seiner 22-jährigen Tochter sehr aufgeregt zu sein.
Zeitplan
Sonntag, 4. März 2012
10.00 Uhr Slalom Damen, 1. Lauf 13.00 Uhr Slalom Damen, 2. Lauf anschließend Siegerehrung Slalom, Skistadion Ofterschwang ca.14.00 Uhr Pressekonferenz Top 3, Medienzentrum.
GroĂe Emotionen bei Siegerehrung in Sonthofen
Der Rathausplatz in Sonthofen war rappelvoll, die Stimmung erneut WM-reif. Auch die zweite Siegerehrung in der Oberallgäuer Kreisstadt am Samstag steckte voller Emotionen – was natürlich auch daran lag, dass Viktoria Rebensburg nach ihrer Triumphfahrt am Ofterschwanger Horn erneut ganz oben auf dem Podest stand. „Diese zwei Tage hier in Ofterschwang werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen“, war die 22-Jährige sichtlich gerührt. Sie bedankte sich mehrfach bei den 8000 Fans, die sie im Zielhang zur Bestzeit geschrien hatten: „Wahnsinn, ihr seid’s der Hammer“, lobte sie die Allgäuer Skifans. 1500 Menschen klatschten am Abend frenetisch Beifall. Rebensburg verriet, dass sie noch am Abend nach Hause an den Tegernsee fahren werde und sich den Sonntags-Slalom gemütlich von der Couch aus anschauen werde. „Feuert’s unsere Mädels morgen genauso an wie mich. Dann wird’s auch morgen klappen“, sagte Rebensburg.
„Fleisch im Ösi-Hamburger“
Die DSV-Hoffnungen für den Slalom am Sonntag ruhen nun auf Maria Höfl-Riesch, die sich für ihr doppeltes Ausscheiden beim Publikum entschuldigte: „Sorry, es tut mir leid, mir stinkt’s das selbst am allermeisten.“ Nun werde sie eben ihre ganze Energie in die beiden Läufe am Sonntag stecken, versprach Höfl-Riesch, die bei der Startnummernauslosung Glück hatte. „Jetzt bin ich das Fleisch im österreichischen Hamburger“, kommentierte sie die Tatsache, dass sie zwischen Michael Kirchgasser, die das Rennen um 10 Uhr eröffnet, und der Slalom-Königin Marlies Schild startet.
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